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Podcast WirSprechen: Gewalt ist nicht in Ordnung

Herzlich willkommen zu Staffel 2 des Interviewpodcast WirSprechen des WIR-Magazins. Unser Anspruch ist es, unmittelbar, authentisch und auf Augenhöhe über Leben mit Behinderung zu berichten. Nun geben WIR dem Ganzen auch eine Stimme. Denn Menschen mit Behinderung kommen immer noch viel zu wenig selber zu Wort. Das tun hier in der ersten Folge der Staffel 2 junge Erwachsene, die ein klares Statement mitbringen: Gewalt ist nicht in Ordnung.

Gruppeninterview mit der Freizeitgruppe für junge Erwachsene der Villa Donnersmarck

Die zweite Staffel unseres Podcast WIRSprechen blickt auf Menschen mit Behinderung und ihre Gewalterfahrungen. Passend zur aktuellen Ausgabe des WIR-Magazins 2021/2 „Berichte aus dem Schatten – über Gewalt reden“ gehen wir in sechs Folgen Gewalt- und Unrechtserfahrungen von Menschen mit Behinderung nach. Auch die fachliche Perspektive, die sich mit einzelnen Themen zu Gewalt beschäftigt hat, kommt hier zu Wort.

Gewalt ist nicht in Ordnung

In der ersten Folge erzählen Janek, Nicola und Sven über Mobbing, Demütigungen im Alltag und Gewalterfahrungen auf Reisen. Alle drei sind Mitglieder der Freizeitgruppe für junge Erwachsene der Villa Donnersmarck. Über die Gruppe und ihre Gewalterlebnisse haben wir auf mittendrin den Artikel aus der aktuellen Ausgabe des WIR-Magazins gestellt. Wie gehen die drei mit ihren Erlebnissen um, was würden sie künftig anders machen? Antworten auf diese und weitere Fragen zum Hören und wer mag, zum Lesen.

WirSprechen Staffel 2 Episode 1 bei Spotify

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WirSprechen Staffel 2 Episode 1 auf Soundcloud

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Das Transkript der Folge „Gewalt ist nicht in Ordnung“ zum Mitlesen

Im April 2020 tötete eine Mitarbeiterin des Thusnelda-von-Saldern-Haus in Potsdam vier Bewohnerinnen und Bewohner mit schwerer Behinderung und verletzte eine weitere Person schwer. Die Tat in der zum Verein Oberlinhaus gehörenden Einrichtung, erregte landesweite Aufmerksamkeit und offene Bestürzung. Die öffentliche Debatte über die Gründe flachte nur wenige Tage nach den Morden ab. Erst Ende 2021 nahm sie mit dem Gerichtsverfahren und der Verurteilung der Täterin wieder an Fahrt auf. Vor allem die Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Behindertenbewegung haben dafür gesorgt, dass die öffentliche Diskussion nicht vollkommen abbrach, sondern sich nach und nach auf strukturelle Fragen verlagerte. Diesen Fragen müssen sich alle Einrichtungen der Behindertenhilfe ganz unabhängig von dem Fall Oberlinhaus stellen. In der aktuellen Ausgabe des WIR-Magazins „Berichte aus dem Schatten. Über Gewalt reden“ gehen wir diesen Fragen nach.

Über Gewalt reden ist auch das Thema in den kommenden sechs Folgen des Podcasts WIRSprechen, zu dem ich sie herzlich begrüße. Mein Name ist Ursula Rebenstorf, ich bin Redakteurin des WIR-Magazins. Und heute zu Gast in der Freizeitgruppe für junge Erwachsene in der Villa Donnersmarck. Viele Gewalterfahrungen von Menschen mit Behinderungen sind Alltagserfahrungen. Das kann bei Mobbing im Sportunterricht anfangen, führt weiter zu täglichen Demütigungen bis hin zu Überfällen auf offener Straße.

Und da sind drei Menschen, die mit mir jetzt hier gerade sitzen. Hallo, ich grüße dich Sven, ich grüße dich Nicola und ich grüße dich Janek. Wollt ihr drei euch vielleicht mal ganz kurz vorstellen? Janek, wie alt bist du und wie möchtest du genannt werden?

Janek: Also gerne Janek. Ich bin der Janek, ich bin 41 Jahre alt.

Alles klar. Nicola, wie sieht es mit dir aus?

Nicola: Ich bin 32 Jahre alt.

Und wie ist es mit dir, Sven?

Sven: Ich bin 45.

Sven, wir hatten für das WIR-Magazin vor ein paar Wochen schon miteinander gesprochen. Da hast du uns davon erzählt, wie Gewalterfahrungen schon bereits in der Schulzeit angefangen hatten. Und obwohl du jetzt schon über 40 bist, noch heute durch deinen Kopf gehen.

Sven: Na ja, in der Schule, da war ich immer der Kleinste und Schwächste. Und die Mitschüler hatten eine Wut, dass ich im Sportunterricht nicht alles können brauchte wegen meiner Hüftluxation.

Das heißt, du hattest so eine Art Befreiung gehabt, so eine Art Sportbefreiung?

Sven: Ja. Und die hatten eine Wut, dass ich da nicht alles können brauchte. Bin dann so ab der 4. Klasse mit Angst hingegangen. Und war dann auch so ab der 8. Klasse der Schlechteste der Klasse.

Dann, die Schule selber hast du aber ganz woanders beendet?

Sven: Na ja ich habe noch, in der 10. Klasse bin ich krank geworden. Da war ich im Krankenhaus. Und ich habe noch in einer Abendschule meinen Realschulabschluss gemacht. Aber ich durfte nicht noch mal eine neue Ausbildung machen, weil ich schon eine abgeschlossene Ausbildung habe.

Also das heißt, du hast eine ganz schöne Tasche voll von Demütigungen und Verletzungen, also auch psychische Gewalt auch in der Schule auch erlebt. Wenn du jetzt noch mal so zurück blickt, inwiefern spielt das für dich heute noch eine Rolle oder wo ist dir das teilweise in Ausbildungs- oder in Arbeitsinhalten vielleicht ähnlich dann auch noch mal vorgekommen. Und was hat davon mit deiner Behinderung zu tun, was meinst du?

Sven: Mit meiner Behinderung, na ja, dass ich manches nicht so konnte, wie die anderen.

Und das war sozusagen die Freikarte für manche Leute dann, sich darüber lustig zu machen?

Sven: Ja. Und ich bin zweimal überfallen worden, als ich alleine unterwegs war, einmal in Magdeburg und einmal in Pritzwalk. Ja, da kamen Jugendliche und wollten Geld.

Und haben sie es dann auch genommen?

Sven: Ja, ich habe es ihnen gegeben. Das zweite Mal wurde ich ins Gesicht getreten, ich hatte nur noch fünf Euro dabei.

Du hast du Hilfe bekommen oder warst du da ganz alleine? Gab es Passanten auf der Straße?

Sven: Nein, ich habe hinterher beim Haus geklingelt. Der hat die Brille kaputt getreten, die haben mich beim zweiten Mal überfallen. Da musste ich dann mit dem Krankentransport zurückgefahren werden, wo ich damals gewohnt habe.

Also das heißt, es hat jemand Hilfe geholt, dass du da mit dem Krankentransport dann nach Hause gefahren wurdest?

Sven: Ja, ja.

Du hattest das zur Anzeige gebracht?

Sven: Bei beiden kam ein Brief: „Es konnte kein Täter ermittelt werden.“ Na ja, ich kann ja auch nicht gut jemanden beschreiben.

Also das heißt, formal war das soweit alles richtig, aber hattest du das Gefühl gehabt, dass man sich auch nicht so richtig viel Mühe gegeben hat, da was rauszufinden?

Sven: Ja. Na ja.

Wie gehst du heute jetzt damit um? Also wie lange sind diese Überfälle her? Schulzeit kann ich mir vorstellen, bei den Überfällen weiß ich das jetzt nicht.

Sven: Ja, das war schon, das ist noch nicht so lange her, das Zweite.

Ja. Und wie bist du denn da im Nachfeld damit umgegangen? Also du hast wahrscheinlich oft darüber gesprochen? Und hast du dir überlegt, okay, ich bin jetzt alleine nicht mehr unterwegs?

Sven: Alleine, na ja, ich war da alleine unterwegs, nachts auf der Straße, weil ich mir mal was angucken wollte. Da hatte ich eine Radtour gemacht, beim zweiten Mal. Beim ersten Mal war ich mit dem Zug unterwegs und beim zweiten Mal war ich mit dem Fahrrad unterwegs. Ja, ich wollte da alleine unterwegs sein, weil ich nicht so viel kenne. Habe ich auch an Bushaltestellen geschlafen und dass ich nur Geld für Essen ausgeben brauchte.

Ist dir denn schon so was Ähnliches mal passiert oder auch in der Schulzeit, dass du da ähnliche Erfahrungen gemacht hast?

Janek: Na ja, so krass, dass ich so überfallen wurde, eigentlich noch nicht. Aber sie haben sich immer aufgeregt, also Sport habe ich auch mitgemacht. Und dann, vorher war eine Pause und da musste ich halt mal auf Toilette gehen. Und dann hatte ich irgendwie noch anderen Unterricht im anderen Raum. Und ich konnte zum Glück durch meine Behinderung noch etwas laufen, jetzt ist es ganz auch, ich habe auch die gleichen Probleme so wie er mit der Hüfte. Dass die Pfanne nicht ausgebildet ist. Und jetzt kann ich zurzeit fast gar nicht mehr laufen, weil das wehtut. Und dann aber in der Schulzeit bin ich immer ein bisschen gelaufen. Das heißt, ich musste immer Weg mit einrechnen, also Weg zum nächsten Raum.

Genau, also das heißt, wenn ihr zum Beispiel den Klassenraum gewechselt habt.

Janek: Genau.

Oder vom Sportunterricht zurück wieder in das Schulgebäude.

Janek: Genau.

Und wenn man auf das Klo möchte, braucht man dann auch entsprechend länger.

Janek: Ja, aber und dann wurde ich aber, wenn ich fünf Minuten später kam, gleich angeschnauzt.

Ach so.

Janek: Von der, das war meistens dann der Chemie-Unterricht.

Ja. Konntest du denn nicht erklären, dass du einfach länger Zeit brauchst? Und dass du das nicht eher schaffst?

Janek: Ja, das habe ich immer gesagt: „Ja, wir hatten Sport. Wir hatten vorher Pause. Ich habe was gegessen, ich musste auf Toilette.“ Das galt nicht als Entschuldigung. Weil das hieß Pünktlichkeit.

Hast du denn auch heute noch, wo du erwachsen bist, jetzt noch Situationen, wo du sagst, ich muss mich für etwas rechtfertigen, wo ich einfach mehr Zeit brauche, ansonsten kriege ich da auch Unmut oder Ärger von meinen Mitmenschen auch zu hören? #00:07:52-2#

Janek: Natürlich.

Nenne mal ein Beispiel.

Janek: Na ja, wenn mir eine Frage gestellt wird, und sie kriegen nicht gleich eine Antwort. Und ich muss noch mal kurz ein bisschen überlegen, was ich sage. Manchmal sagst du ja was und dann geht das nicht schnell genug, aber ich muss erst mal in meinem Kopf.

Das sortieren?

Janek: Noch mal sortieren, was du jetzt antwortest, auf die richtige Frage, die richtige Antwort. Also manche Sachen gehen dann nicht schnell genug.

Und das setzt dann auch dann einen unter Druck, schneller zu reagieren wahrscheinlich?

Janek: Ja. Und da bin ich ein bisschen, weil ich ja von Grund auf so ein entspannter Typ bin, der dann auch sagt: „Bleibt doch mal ruhig. Und was regst du dich jetzt so auf darüber.“ Also jetzt, gut, jetzt haben wir Corona, jetzt haben wir andere Probleme, aber vor Corona war es auch schon so. Man könnte sich viel mehr Zeit nehmen für, weil warum muss man jetzt in einer Sekunde antworten?

Nicola, du hattest im Vorgespräch auch gesagt, dass du nicht so gerne erzählst oder redest. Und du gehst ja auch arbeiten?

Nicola: Ja.

Und wenn man ein Mensch ist, der jetzt nicht so viel oder auch ein bisschen leiser redet, kriegt er dann mehr Ärger ab als andere Leute, die da sehr lautstark so ihren Platz behaupten? Was ist so deine Erfahrung?

Nicola: Dass man da auch manchmal Ärger kriegt und so, ja.

Ist dir das auch schon mal passiert? 

Nicola: Ja.

Und was meinst du, woran liegt das? 

Nicola: Ich weiß nicht, woran das liegt. Ist manchmal so.

Ja. Wie wehrst du dich dann? Oder wie reagierst du dann?

Nicola: Ich wehre mich dann. 

Du wehrst dich?

Nicola: Ja.  

Okay, was machst du dann?

Nicola: Ich sage: „So geht das nicht.“

Fällt dir das schwer?

Nicola: Nein.

Nein? Also das hast du dir irgendwann mal antrainiert, dass du dich dann auch zur Wehr setzt?

Nicola: Ja.

Ja. Ebenfalls aus dem Vorgespräch weiß ich, dass du auch mal Probleme hast am Arbeitsplatz mit Kollegen. Willst du davon ein bisschen was erzählen?

Nicola: Der ist nicht mehr da, der Kollege.

Ah, das war ein Kollege. Mit dem hattest du Ärger gehabt oder der hat dich bedrängt? Oder was ist da passiert?

Nicola: Ja, der hat einen immer gemobbt und so.

 Ach so.

Nicola: Der hat immer erzählt, was ich überhaupt gar nicht zu anderen erzählt habe.

Verstehe. Also schlecht über dich gesprochen.

Nicola: Ja.

Sachen über dich behauptet?

Nicola: Ja.

Ja. Und dann hast du dich dagegen gewehrt. Hast du dir Hilfe gesucht oder wie hast du das gemacht?

Nicola: Ja.

Und das heißt, mit Unterstützung wurden dann Gespräche geführt? Und die Lösung war, dass ihr dann vielleicht andere Arbeitsbereiche habt, dass derjenige dann versetzt wurde?

Nicola: Ja.

Ja. Aber das ist ja super, das heißt, wenn du dann Hilfe bekommen hast, dann?

Nicola: Ja, aber es hat lange gedauert.

Ja? Erzähle mal, warum hat das lange gedauert?

Nicola: Weil schon von Anfang an, wo noch eine andere Gruppenleiterin da war, hatten wir auch immer ganze Gespräche, aber die haben noch nichts Richtiges gemacht. Haben das nur immer angesprochen, aber so richtig haben sie das nicht alles so geklärt.

Und man müsste vielleicht noch mal dazu sagen, du arbeitest ja in einer Werkstatt. Was machst du da?

Nicola: Ich mache da Schmuck.

Ah, Schmuck. Und der Kollege, um den es geht, der hatte auch dort in der gleichen Abteilung gearbeitet, wie du?

Nicola: Ja.

Ja. Und hatten andere das dann geglaubt? Warst du sicher, dass die anderen Kollegen dann jetzt nicht auch anfangen, komisch über mich zu denken?

Nicola: Anfangs war es so. Dann habe ich zu denen gesagt: „Ich habe das gar nicht gesagt.“ Und dann haben die das geglaubt, dass ich das nicht gesagt habe. Weil der Kollege wollte einen immer auseinanderbringen mit Freunden und so.

Ach so. Der war ein bisschen eifersüchtig, zum Beispiel?

Nicola: Ja.

Ja, verstehe.

Nicola: Hat immer Sachen behauptet, die gar nicht stimmen. 

Ihr drei erzählt also auch von Mobbingerfahrungen.

Nicola: Ja.

Habt ihr irgendwo, ja, Rezepte gibt es da wenig, aber was ist wichtig, wenn man für sich feststellt, ich habe Mobbing-Probleme, sei es in der Schule, auf der Arbeit, in der Freizeit oder sonst wo. Was kann man machen, wie kann man sich dagegen wehren, Janek? Du hast eine entspannte Art.

Janek: Ja, entspannte Art, ja. Ich habe da noch kein richtiges Mittel dafür.

Aber dir passiert es auch nicht so häufig oder?

Janek: Früher habe ich gedacht, na ja, jetzt denke ich, na ja, in der Schule bist du nicht so, musst du erst mal ranwachsen, du wirst älter, du bist ja.

Ja, viele haben in der Schulzeit ja auch Mobbing-Probleme.

Nicola: Kann ich auch davon reden.

Janek: Also heutzutage würde ich sagen, dagegen klagen. Würde ich mir einen Anwalt holen.

Würdest du eine Anzeige machen, genau.

Janek: Auch die Schulleitung. Ich hatte ja auch viele Gelegenheiten gehabt dafür, also dazu. Und da waren immer Klassenarbeiten angekündigt, ja. Und ich habe mich jetzt wirklich gut vorbereitet. Und ihr Motto war immer, erst mal schön zehn Minuten zu spät kommen. Kamen dann und genau nach dem Gong hat sie gesagt: „Schulhefte abgeben. Und du auch, Janek.“ Ich habe gesagt: „Lass mir doch noch ein bisschen Zeit, ich habe mich doch gut vorbereitet. Ich schreibe nicht so schnell, ich bin behindert. Ich habe hier eine spastische Behinderung.“ Obwohl es Körperbehindertenschule war. 

Aber das finde ich bei sehr spannend bei euch allen beiden. Und zwar, im Sinne von Inklusion ist es ja super, dass man zum Beispiel einen Nachteilsausgleich bekommt, dass man im Sport nicht alles mitmachen muss. Oder einfach mehr Zeit braucht. Bei dir ist es so, du hast, obwohl du auf einer Körperbehindertenschule warst, hast du nicht mehr Zeit bekommen, obwohl du mehr Zeit gebraucht hast.

Janek: Ja, das ist es, genau, richtig.

Genau. Und bei dir war es so, dass du, Sven, dass einfach dadurch, dass und etwas bevorteilt wurdest, weil du bestimmte Sachen nicht mitmachen musstest, dann den Neid oder den Unmut von deinen Mitschülern auf dich gezogen hattest?

Sven: Na ja, Lehrer hatte ich auch gegen mich. Die Klassenlehrerin von der 8. Klasse hat sich geweigert, mich zur Klassenfahrt mitzunehmen, weil sie Angst hatte, dass ich mich da verlaufe, wenn wir alleine unterwegs sein dürfen.

I: Also eure Schulzeit liegt ja schon ein paar Jahre zurück. Wenn ihr noch mal so zurückblickt, was müsste sich denn ändern, dass junge Schüler solche Erfahrungen nicht machen müssen? Also jetzt, dass sie wirklich Zeit bekommen, dass sie nicht von Mitschülern gehänselt werden, weil sie nicht alles mitmachen können im Sport oder auf Klassenfahrten nicht mitgenommen werden, was müsste sich ändern?

Janek: Ja, was würde ich sagen, spontan würde ich sagen, na ja, ein bisschen Respekt gegenüber.

Respekt? Ja.

Janek: Respekt.

Sven: Dass die Eltern einen Schulwechsel ermöglichen. 

Ja, Schulwechsel wäre eine Möglichkeit, okay.

Sven: Na ja, aber das hat bei mir auch nichts genützt. 9. Klasse bin ich in eine andere Schule gekommen. Da hatte ich auch wieder Mitschüler gegen mich, weil das war die Schule, die nebenan war. Und manche haben sich ja auch gekannt von der alten Schule und der neuen.

Ja, die haben sich dann abgesprochen, ja, genau.

Sven: Ja.

Und Nicola, für dich ist es jetzt ja besser geworden, seit dieser Kollege jetzt weg ist?

Nicola: Ja.

Wenn das noch mal passieren würde, so eine unangenehme Erfahrung und auch so eine schlechte Stimmung, die das dann ja auch gibt im Kollegenkreis, was würdest du jetzt heute machen? Würdest du es heute noch mal, also würdest du es anderes machen oder wie würdest du vorgehen?

Nicola: Das irgendwie anders machen.

Ja? Erzähle mal, wie denn?

Nicola: Alles.

Also du würdest es vielleicht von Anfang an vielleicht schneller handeln?

Nicola: Ja. Und das sofort klären.

Ich danke euch dreien.

Den Artikel über Janek, Sven und andere Teilnehmer aus der Freizeitgruppe in der Villa Donnersmarck, den finden Sie in der aktuellen Ausgabe des WIR-Magazins. Zu finden auf unserer Internetseite fdst.de/wirmagazin. Und wir haben ihn auch hier beim Podcast verlinkt.

Über Gewalt und über Schutzkonzepte in Einrichtungen der Behindertenhilfe, reden wir in unserer nächsten Folge in zwei Wochen bei WIRSprechen. Den Podcast können Sie hier bewerten und auch abonnieren. Über Likes und Ihre Kommentare freuen wir uns ganz besonders. Und auch Anregungen zu dem Thema, die lesen wir und die beantworten wir auch gerne. Vielen Dank für das Zuhören und bis in zwei Wochen.