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Linus Bade in einem Café - er lächelt und blickt leicht an der Kamera vorbei. Im Hintergrund sind Leute an Tischen zu erkennen, aber verschwommen.

Wie inklusiv erleben Lernende Schule, Ausbildung und Arbeit? Teil 3

Eigentlich träumt Linus Bade (18) vom Abitur. Doch sich im Alltag einer Regelschule als Schüler mit Behinderung zu behaupten, kostet viel Kraft, auch im zehnten Jahr seit Bestehen der UN-BRK. So lässt sich Linus Bade zunächst an einem Berufsbildungswerk zum Mediengestalter ausbilden und hofft auf einen Job auf dem 1. Arbeitsmarkt – und irgendwann doch noch auf das Abitur:

Die Förderschule habe ich 2017 mit dem Mittleren Schulabschluss beendet. Dann habe ich überlegt, Abitur zu machen, denn die Noten dafür waren da. Ich habe mich bei einer Schule vorgestellt, die aber hatten keine Zeit und Lust auf einen Schüler mit Hilfebedarf hat. Dann hatte ich auch keine Lust mehr, mich anderswo zu bewerben und war ein Jahr lang zu Hause und habe an meinen Projekten gebastelt. Nach der Ausbildung, die ich zurzeit mache, kann ich mir das mit dem Abitur noch Mal überlegen. Zuerst wollte ich eine kaufmännische Ausbildung als Veranstaltungskaufmann. Aber dann habe ich festgestellt, das ist langweilig und unkreativ. So fiel meine Berufswahl auf Mediengestalter. 50 – 60 Bewerbungen habe ich geschrieben und wurde auch zu drei Vorstellungsgesprächen eingeladen. Ich erhielt immer eine Absage. Mit den Ablehnungen habe ich gerechnet. Die üblichen Bewerbungen nützen überhaupt nichts. Am besten, man bewirbt sich mündlich. Die Leute müssen einen kennenlernen, damit sie sehen, der Bewerber hat nicht nur Probleme, er kann auch etwas. Denn so haben die Personaler einen Stapel Bewerbungen vor sich und müssen sich anhand ein paar Sätze ein Bild machen. Dann sehen sie, dass ein Bewerber behindert ist, schrecken auf und schauen lieber, wer sich sonst noch beworben hat. Daher habe ich mich beim Berufsbildungswerk beworben. Das ist zwar nicht mein Traumjob, denn ich möchte auf dem 1. Arbeitsmarkt arbeiten. Aber ich dachte, ich kann wenigstens anfragen und hinterher schauen, wie ich an dem 1. Arbeitsmarkt unterkomme. Zu meinen Erfahrungen mit Bildungswerken: Mein Schulpraktikum hatte ich bereits in einem Berufsbildungswerk gemacht. Dort sagte man mir, ich sei viel zu gut. Aber in der Schule haben mir alle Lehrer gesagt, den 1. Arbeitsmarkt schaffst Du nicht, gehe lieber in die Werkstatt. Meine Lehrer haben meinen Wunsch überhaupt nicht verstanden und wollten mich immer wieder in so ein Bildungszentrum stecken. Ach die Berufsberatung, die in die Schule kam, hat mir dazu geraten.  Auch die Reha-Abteilung von der Arbeitsagentur hat sofort gesagt, geh lieber in die Werkstatt.

Dabei gibt es sehr viele Vereine, die darauf spezialisiert sind, Menschen mit Behinderung in den 1. Arbeitsmarkt zu helfen. Leider waren die nie in meiner Schule. So wussten wir Schüler nicht, was es sonst für Möglichkeiten gibt. Auch bereitete ich zu der Zeit auf meine Abschlussprüfungen vor. Da hat man einfach keine Zeit, selber danach zu suchen, wer helfen kann. Ich würde mir wünschen, dass solche Vereine mehr in die Schulen gehen und den Schülern bei der Suche zu helfen.

Beim Arbeitsamt war ich häufig zu Beratungsgesprächen, Die haben mir das Leben echt schwer gemacht. Das Berufsbildungswerk hat mich bei der Ausbildungssuche mit einer Sozialarbeiterin unterstützt. Die hat sich viel mit dem Arbeitsamt auseinandergesetzt, bis ich endlich vor zwei Monaten meine Ausbildung als Mediengestalter anfangen konnte. In der Berufsschule war ich überrascht, wie normal ich als einziger Azubi mit Körperbehinderung angenommen worden bin. Selbst die Lehrer dort waren viel inklusiver als die Lehrer von meiner Förderschule. Arbeitsblätter erhalte ich hier digital, damit ich diese besser bearbeiten kann. Digitales Lernen sollte bei Schulen selbstverständlich sein. Dann müssten die auch nicht so viel über Nachteilsausgleich diskutieren. Arbeiten in einer Cloud ist auch praktisch. Für einen Datenstick z.B. brauche ich zu Hause gleich wieder einen Assistenten, der mir den Stick in den PC steckt. Bei einer Cloud bin ich unabhängiger.

Linus und sein guter Freund Jasper haben gemeinsam das Projekt handicap-lexikon.de ins Leben gerufen, wo sie über unterschiedliche Formen von Behinderung aufklären und so Ängste, Barrieren und Hemmungen abbauen wollen.

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