Gesichter der Nordbahn: medizinische Betreuung mit offenem Ohr, Pflaster und Trost
Sabrina und Martin arbeiten im medizinischen Dienst der Nordbahn gGmbH – einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Martin ist seit sechs Jahren Teil des Teams, Sabrina seit vier. Beide kümmern sich um die medizinische Betreuung der Mitarbeitenden: Sie versorgen kleine Verletzungen, geben Medikamente aus, begleiten zu Arztterminen und stehen bei gesundheitlichen Fragen beratend zur Seite.
Unterstützen nach Bedarf
F.: Warum hast Du Dich entschieden, in einer Werkstatt zu arbeiten?
Sabrina: Bevor ich zur Nordbahn gGmbH kam, arbeitete ich im Schichtdienst auf einer kardiologischen Station im Krankenhaus. Aufgrund familiärer Gründe wuchs in mir der Wunsch nach einer Tätigkeit ohne Schichtarbeit. Als mich schließlich eine Kollegin der Nordbahn privat ansprach und mir von einer freien Stelle erzählte, fühlte sich das wie ein passender Moment an. Durch meine Schulzeit an einer integrativ-kooperativen Schule hatte ich bereits früh Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderungen, daher konnte ich mir gut vorstellen hier zu arbeiten.
Martin: Nach 20 Jahren auf der Intensivmedizin und 3 Jahren Arztpraxis wollte ich eine neue Herausforderung.
F.: Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus?
Sabrina: Morgens richten wir die Tabletten für morgens und mittags. Je nach Mitarbeiter bringen wir die Tabletten in die Gruppe oder sie werden selbständig abgeholt. Wir unterstützen je nach Bedarf bei den Toilettengängen und der Körperpflege. Jederzeit sind wir Ansprechpartner bei kleineren und größeren Verletzungen. Sei es einen Splitter rausziehen, ein Pflaster kleben, jemanden nach einem Arbeitsunfall zum Arzt begleiten oder einfach bei Fragen zum Thema Gesundheit beratend oder aufklärend zur Seite zu stehen. Ansonsten koordinieren wir noch die Untersuchungen durch den Betriebsarzt, welcher 4x im Jahr in der Nordbahn ist. Außerdem melden wir noch die Arbeitsunfälle an die Berufsgenossenschaft.
Martin: Ich vergleiche unsere Rolle bei der Nordbahn gerne mit der einer Schulsekretärin: immer ein offenes Ohr, stets ein Pflaster parat und Trost, wenn es gebraucht wird. Wir sind für viele die erste Anlaufstelle – menschlich und medizinisch. Manchmal bekommt man einfach so eine Umarmung auf dem Flur oder einfach nur ein Danke.

F.: Was gefällt Dir an der Arbeit einer Werkstatt?
Martin: In der Nordbahn gefällt mir, dass wir wie eine Familie sind, der Umgang ist herzlich und jeder hat für den anderen ein offenes Ohr. Auch ist es schön, noch Zeit für die Mitarbeiter zu haben und seine Arbeit nicht unter Druck ausüben zu müssen.
Sabrina: Ich mag es sehr, dass die Mitarbeiter mit vielen kleineren und größeren Problemen zu uns kommen. Besonders freut mich, dass wir die Zeit haben und beratend zur Seite stehen können. Die Mitarbeiter sind so dankbar und freuen sich jedes Mal, wenn man ihnen etwas Zeit und ein offenes Ohr schenkt. Die Vielfalt der Tätigkeiten und die Wertschätzung, mit der jeder Mitarbeitende entsprechend seinen Stärken eingebunden wird, sind wirklich etwas Besonderes.
F.: Was machst Du gerne in Deiner Freizeit?
Sabrina: Ich bin seit über 20 Jahren Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr und auch die Jugendwartin der Jugendfeuerwehr. Das nimmt sehr viel Freizeit in Anspruch, macht mir aber sehr viel Spaß. Ansonsten verbringe ich die Wochenenden gerne mit meiner Familie und mache gerne mit ihnen Tagesausflüge oder treffe mich mit Freunden.
Martin: In meiner Freizeit unternehme ich gerne etwas mit meiner Familie (Fahrradfahren schwimmen, Tischtennis). Außerdem gehe ich gerne mit Freunden ins Kino.

F.: Hast Du Vorbilder?
Martin: Tatsächlich ist meine Ehefrau mein Vorbild für mich. Sie habe ich im Krankenhaus kennengelernt und hat wie ich eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht und aus gesundheitlichen Gründen musste sie eine Umschulung machen zur Verwaltungsfachangestellten und hat im Anschuss sich weiter gebildet zur Standesbeamtin. Für mich ist sie ist nicht nur beruflich ein Vorbild, sondern auch am aller meisten menschlich. Sie hat immer ein Ohr für alle, sie lacht fast immer und wenn sie den Raum betritt, strahlt sie einfach sehr viel Freude aus. Ein besonderer Mensch der mit mir zusammen ist und unseren beiden Töchtern. Deswegen ist sie mein Vorbild.
Sabrina: Meine Eltern sind große Vorbilder. Meine Mama ist immer sehr strukturiert, hat bei allem den Überblick und ist immer eine tolle Ansprechperson und mein Vater war immer sehr genügsam, friedliebend und herzlich. Vieles habe ich von beiden gelernt und mitgenommen und versuche es genauso zu leben.
F.: Hast Du berufliche und/oder private Ziele für die Zukunft?
Martin: Beruflich bin ich in meinem Leben hier in der Nordbahn, nach der langen Zeit auf der Intensivstation und einem Studium und der Arbeit als Praxismanager angekommen. Ich fühle mich hier wohl und möchte hier in der Nordbahn weiter bleiben und weiterentwickeln. Privat wünsche ich mir das meine Familie und ich gesund bleiben und wir das Leben und die Zeit zusammen genießen können.
Sabrina: Meine beruflichen Ziele sind eigentlich nur weiterhin mit so einer Freude zur Arbeit zu kommen. Privat ist es mir wichtig, dass unsere Familie weiterhin so stark einheitlich zusammenhält und wir unsere Kinder bestmöglich in ihrer Entwicklung unterstützen und fördern.
F.: Gibt es etwas, das Du schon immer tun wolltest, aber noch nicht die Gelegenheit dazu hattest?
Sabrina: Es gibt noch so viele Orte, die ich gerne bereisen möchte, was aber noch nicht so einfach umzusetzen ist.
Martin: Eine Reise nach New York.
„Jeder Mensch ist ganz besonders und auf seine Weise schön.“
F.: Welches Wort verbindest Du mit „Nordbahn“?
Martin: Ich verbinde mit der Nordbahn einen Satz, den ich von meinen Töchtern gelernt habe „Jeder Mensch ist ganz besonders und auf seine Weise schön.“ Das betrifft nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern ist bezogen auf uns alle.
Sabrina: Individualität. Ich finde es toll, dass hier jeder nach seinen individuellen Möglichkeiten und Bedürfnissen arbeiten kann. Hier steht der Mensch im Mittelpunkt und wird gesehen. Das finde ich täglich aufs Neue faszinierend.
F.: Hat sich die Werkstatt über die Jahre verändert?
Martin: In der Zeit wo ich hier bin (seit sechs Jahren) hat die Corona Pandemie finde ich für mich persönlich die Nordbahn verändert. Ich konnte die Mitarbeiter und Angestellte besser kennenlernen, weil man sich jeden Tag gesehen hat (Wir hatten in der Nordbahn ein Test-Zentrum).
F.: Was kann die Gesellschaft von Menschen mit einer Behinderung lernen?
Sabrina: Leider finde ich, dass viele Menschen nach wie vor eine gewisse Scham/Berührungsangst gegenüber Menschen mit Behinderungen haben. Menschen mit Behinderungen sind, wie ich finde, vorurteilsfrei. Sie stehen jedem Menschen erstmal offen gegenüber. Sie sind gutherzig, sehr emphatisch und versprühen eine Lebensfreude, davon könnten sich so viele Menschen eine große Scheibe abschneiden.
Martin: Von ihnen kann man hauptsächlich Dankbarkeit und Ehrlichkeit lernen. Doch ein Stück weit auch jeden so zu respektieren, wie er nun mal ist.
Über die Nordbahn
Die Nordbahn gGmbH in Schönfließ bei Berlin bietet 400 Arbeitsplätze in den Bereichen Grünlandpflege, Freiraummöbel, Industriemontage, Konfektionierung, Sondermaschinenbau, Druck-Service und Wäscherei für Menschen mit Beeinträchtigungen an. Dabei werden sie von 120 Angestellten begleitet. Alle Arbeitsbereiche der Nordbahn arbeiten für über 200 Kunden aus der freien Wirtschaft.
Hast Du Interesse die Werkstatt kennenzulernen? Dann schau auf der Webseite www.nordbahn-ggmbh.de vorbei.
Transparenzinformation
Die Fürst Donnersmarck-Stiftung ist Gesellschafterin der Nordbahn gGmbH und der Geschäftsführer der Stiftung, Leopold von Bredow, ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Nordbahn.
Die Interviews der Reihe „Gesichter der Nordbahn“ stammen aus der Feder von Ines Baumann, die die Öffentlichkeitsarbeit für die Nordbahn verantwortet.