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Die Kohle und die Stiftung

Guido Henckel von Donnersmarck zählte im 19. Jahrhundert zu den einflussreichsten Unternehmern im Bereich der Montanindustrie in Oberschlesien. Mit der Gründung zahlreicher Bergwerke, darunter der Guidogrube im Jahr 1855, trug er maßgeblich zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region bei. Der durch seine Industrieunternehmen erworbene Reichtum bildete später die finanzielle Grundlage für die Gründung der Fürst Donnersmarck-Stiftung im Jahr 1916. Die Geschichte der Stiftung ist somit eng mit den montanindustriellen Aktivitäten ihres Namensgebers verknüpft. Ein Stück Steinkohle aus der Guidogrube gelangte 2025 in das Archiv der Stiftung. Heute steht es symbolisch für diese Verbindung zwischen industriellem Erbe und sozialem Engagement.

Die unterirdische Kammer – © Krystian Hasterok – Eigenes Werk, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3012690

Der Ursprung der Steinkohle

Die in der Guidogrube geförderte Steinkohle entstand vor etwa 250 bis 350 Millionen Jahren im Zeitalter des Karbon und Perm. Damals lag das heutige Zabrze aufgrund der Plattentektonik nahe am Äquator. Die Atmosphäre wies ein Vielfaches des heutigen Kohlendioxidgehalts auf. Das führte zu einem massiven Treibhauseffekt und einem über Jahrmillionen andauernden üppigen Pflanzenwachstum. Urfarne, Kalamiten sowie Siegel- und Schuppenbäume fanden ideale Bedingungen vor und bildeten gewaltige Sumpfwälder. Im Laufe der Zeit überlagerten Sedimente diese Pflanzenreste. Es entstanden so Kohleflöze, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts mit großem technischem Aufwand erschlossen wurden. Die daraus gewonnene Energiequelle wurde zum Motor der Hochindustrialisierung in Deutschland.

Kohlendioxid und sein Einfluss auf das Klima

Bereits zu Lebzeiten Guido von Donnersmarcks war bekannt, dass bei der Verbrennung von Kohle Kohlendioxid freigesetzt wird – ein Treibhausgas, das das Klima beeinflussen kann. Doch wurde dies lange Zeit nicht als problematisch wahrgenommen. Die Entdeckung der klimatischen Wirkung von Kohlendioxid geht auf die US-amerikanische Frauenrechtlerin, Erfinderin und Forscherin Eunice Foote zurück. In den 1850er Jahren führte sie Experimente mit unterschiedlich befüllten Glaskolben durch. Dabei stellte sie fest, dass sich Kohlendioxid stärker erwärmt als andere Gase und sich zudem langsamer abkühlt. Foote schloss daraus, dass ein erhöhter CO₂-Gehalt in der Atmosphäre zu einer Erwärmung des Klimas führen müsse – sie hatte damit den Treibhauseffekt entdeckt. Ihre bahnbrechende Erkenntnis wurde jedoch lange ignoriert, da sie als Frau von wissenschaftlichen Kongressen ausgeschlossen war und ihre Forschung von männlichen Kollegen nicht ernst genommen wurde. Erst in jüngster Zeit wird ihr Beitrag zur Klimaforschung gewürdigt.

Der erste Wissenschaftler, der den CO₂-Ausstoß durch den Menschen mit einem globalen Klimawandel in Verbindung brachte, war der schwedische Nobelpreisträger Svante Arrhenius. Um 1900 – zu einer Zeit, als bereits Millionen Tonnen Kohle jährlich aus den Gruben Guido von Donnersmarcks gefördert und verbrannt wurden – berechnete Arrhenius, dass eine Verdopplung des atmosphärischen CO₂-Gehalts die globale Durchschnittstemperatur um etwa vier Grad Celsius steigen lassen würde. Eine Gefahr sah er darin jedoch nicht. Im Gegenteil: Er begrüßte diesen Effekt, da er befürchtete, dass das Pflanzenwachstum zu viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre entziehen könnte und damit die Menschen langfristig ihrer Existenzgrundlage berauben würde. – heute wissen wir, dass es sich genau umgekehrt verhält.

Montanindustrie, Kriege, Lazarette

Nun bewahren wir das Stück Steinkohle aus der Guidogrube im Archiv der FDST auf – als Symbol für die enge Verflechtung von Industriekultur und der Geschichte von Behinderung. Ohne die Hochindustrialisierung in Deutschland am Ende des 19. Jahrhunderts gäbe es die Stiftung vermutlich nicht in ihrer heutigen Form. Zur Wahrheit gehört jedoch auch: Die Montanindustrie, die den Reichtum des Fürsten begründete, war zugleich ein Treiber der großen kriegerischen Konflikte des 20. Jahrhunderts. Die Ironie der Geschichte liegt darin, dass Guido von Donnersmarck ausgerechnet mit diesem Vermögen versuchte, die Folgen des Ersten Weltkriegs zu lindern – unter anderem durch die Gründung des Vereinslazaretts Frohnau, der direkten Vorgängereinrichtung der FDST.

So lässt sich das kleine Stück Kohle heute auch als Denkanstoß verstehen: Es ruft zu einem bewussteren Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen auf – als Grundlage für einen respektvollen und achtsamen Umgang der Menschen miteinander.

Das Eingangsbild ist vor dem Bergwerkmuseum Guido entstanden. © Von Krystian Hasterok – Eigenes Werk, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3012750