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Gerd Heinemann steht links und Anke Köhler rechts im großen Depot-Raum. IM Hintergrund sind große Regale und Fächer mit Exponaten zu erkennen. Heinemann zeigt Köhler ein Exponat und deutet mit dem Finger an eine bestimmte Stelle.

Zu Besuch im Depot des Stadtmuseums Berlin

Ein Erfahrungsbericht von Anke Köhler

Am 06.02.2019 suchten wir für ein Interview Herrn Gerd Heinemann an seinem Arbeitsplatz im Depot des Berliner Stadtmuseums auf. In dem Depot, was sich in Spandau befindet, leitet er die Topografische Sammlung. Diese umfasst Karten, Pläne, Globen und Stadt­modelle.

Weil sein linker Arm seit 20 Jahren in der Bewegung stark eingeschränkt ist, benötigt er einige tech­nische Hilfsmittel. Diese bestehen aus einem ergonomischen Schreibtisch samt entsprechendem Stuhl sowie einem großen Scanner, in dem er komplette Landkarten, aber auch nur einzelne Abschnitte aufnimmt, um sie in eine Datei umzuwandeln, die von Kolleginnen und Kollegen an einem anderen Standort weiterbearbeitet, und Interessierten im Internet zugänglich gemacht wird. Oder die Karten wandern insgesamt in verschiedenste Ausstellungen und Museen (nicht nur in Berlin). Dort werden sie häufig als Leihgaben gezeigt.

Karten, Stadtmodelle & Co.

Einen weiteren Sammlungsschwerpunkt bilden die Stadtmodelle. Beispielsweise kleinere Häuserzeilen dienen dazu, in Ausstellungen bestimmte Themen wie Stadtbau oder Bevölkerungswachstum zu erklären.

Anke Köhler und Gerd Heinemann posieren mit einem Stadtmodell, das die Doppelstadt Berlin/Cölln aus dem 17. Jahrhundert zeigt.
Anke Köhler und Gerd Heinemann mit dem Modell der Doppelstadt Berlin/Cölln

Ebenfalls zeigte uns Herr Heinemann ein Modell der Doppelstadt Berlin/Cölln, wie sie im 17. Jahrhundert aussah, dieses Modell gehörte einem kaiserlichen Diplomaten, der es in seinen jeweiligen Residenzen wie etwa Sankt Petersburg, in sein Arbeitszimmer hängte, um stets seine Heimatstadt vor Augen zu haben.

In der dritten, etwas kleineren Unterabteilung, waren diverse Globen aus verschiedenen Zeitaltern zu bewundern. Dort gefiel mir ein im Umfang sehr ausladender Globus am besten, der sich nach Angaben von Herrn Heinemann zur Hitlerzeit im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin-Mitte befand. Auf seiner Oberfläche sind zahlreiche kleine Beschädigungen zu sehen, die vermutlich bei einem Bombenangriff auf Berlin entstanden sind.

Gerd Heinemann zeigt Anke Köhler den großen Globus und entfernt dafür das Tuch, mit dem er abgedeckt ist.
Früher in einem Ministerium der Nationalsozialisten, heute im Depot – ein riesiger Globus.

Ganz besonders beeindruckt hat mich eine mannshohe Berlinkarte etwa aus dem Jahr 1876. Sie ist sehr detailreich gezeichnet worden, konnte nur leider nicht mit den Gebäuden des Krankenhauses Friedrichshain ergänzt werden, weil diese sich noch im Bau befanden. Deshalb hat man damals einen speziellen Druckstock mit dem Relief der Häuser hergestellt, um sie hinzufügen zu können.

Neben den fachlichen Ausführungen erläuterte Herr Heinemann uns noch, wie problemlos er seine Arbeitsmittel bestellen und erhalten konnte, sowie seine gute Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen, die nicht über Einschränkungen verfügen, und ihm deshalb hilfreich zur Seite stehen. Dabei betonte er ausdrücklich, zwar die zusätzlichen Urlaubstage in Anspruch zu nehmen, aber bei­spielsweise nach dem Tarifvertrag des Landes Berlin entlohnt zu werden.

Gerd Heinemann öffnet eine Schublade des Archivschrankes und präsentiert Anke Köhler eine  ca. A2 große Mappe mit unterschiedlichen Landkarten.
Mit den unzähligen Exponaten könnte man sich monatelang beschäftigen.

Obwohl er in einem Jahr seine Rente antreten wird, hat man als Gast bei ihm doch den starken Eindruck, dass der ehemalige Geschichtslehrer sehr in seiner Arbeit aufgeht und geradezu dafür brennt. Das zeigt sich auch darin, dass er gedanklich vieles was er am Tage bearbeitet hat, mit nach Hause nimmt, um sich privat weitergehend damit zu beschäftigen (z.B. zu welchem Zweck eine Karte gezeichnet worden ist, oder wer sie erstellt hat). Damit ist er in der glücklichen Lage, seine langjährige Freizeitbeschäftigung zum Beruf gemacht zu haben.

Der Besuch in seinem Depot wird mir lange Zeit noch in guter Erinnerung bleiben.

Mehr über den Besuch im Spandauer Depot und die Stiftung Stadtmuseum Berlin als inklusiven Arbeitgeber könnt ihr in der aktuellen Ausgabe des WIR-Magazins nachlesen.

Wir bedanken uns herzlich bei der Stiftung Stadtmuseum Berlin!

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