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Divere Emojis mit unterschiedlicher Hautfarbe. Alle tragen Mundschutz,

Menschen mit Behinderung und das Coronavirus

Die Welt steht Kopf und Schuld ist das Coronavirus. Momentan gilt: Verbreitung verlangsamen, Gesundheitssysteme entlasten und Risikogruppen schützen. Mit dem Thema Risikogruppen werden in der Öffentlichkeit zunächst vor allem ältere Menschen assoziiert. Dabei gehören auch Menschen mit Behinderung, unabhängig von ihrem Alter, zur Risikogruppe. Aber auch beim Zugang zu Informationen über das Coronavirus haben Menschen mit Behinderung zu kämpfen.

Risikogruppe Coronavirus: „Wenn ich angesteckt werde, könnte ich sterben“

Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen, mit geschwächten Immunsystemen oder chronischen Erkrankungen sind durch das Coronavirus besonders gefährdet – unabhängig von ihrem Alter. Das gilt vor allem für Menschen, die ohnehin bereits beatmet werden, Erkrankungen der Lunge und Atemwege haben oder aufgrund anderer Behinderungen besonders anfällig sind. Für diese Menschen ist das Coronavirus eine besonders große Gefahr.

„Wenn ich angesteckt werde, könnte ich sterben“, schreibt beispielsweise Bloggerin Laura Gehlhaar bei Instagram. Aufgrund ihrer Muskelerkrankung wäre eine Infektion für sie gefährlicher als für andere junge Frauen oder Männer. Und damit ist sie nicht allein. Nicht nur ein geschwächtes Immunsystem oder hohes Alter beeinflussen, ob man selbst zur Risikogruppe gehört oder nicht. Jan Kampmann als Initiator, Raul Krauthausen und andere Behindertenaktivistinnen und -aktivisten machen als #Risikogruppe auf sich und die Gefahr des Coronavirus für sie aufmerksam:

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Hi, wir sind’s. Die #Risikogruppe. Du hast gedacht wir wären kettenrauchende Todkranke oder zumindest alt und tatterig? Weit gefehlt. Keiner von uns ist Rentner und wir gehen genauso gerne wie du in Clubs, Bars und auf Konzerte. Worauf wir keinen Bock haben, ist sterben. Genau das ist aber gar nicht so unwahrscheinlich, wenn du nicht einfach die nächsten Wochen zuhause bleibst und deinen sozialen Aktionsradius für ein paar Wochen einschränkst. Je nachdem, was der Gesundheitsminister vorschlägt. In Italien ist es schon zu spät: Ärzte müssen entscheiden, wen sie beatmen – und wer stirbt. Warum? Unter anderem, weil sich die Menschen zu lange gegenseitig angesteckt haben. Aber wir wollten uns ja vorstellen. @disabletonlive, @amelieebner und @wheel.pics sind das #TetraPack: Sie sind unterhalb der Halswirbelsäule gelähmt und können richtig schlecht abhusten – das Virus könnte sie töten. @kati.gaensebluemchen hat Spina Bifida und ein Lungenvolumen von einem halben Liter – ihr könnt euch vorstellen, wie praktisch das bei einer heftigen Infektion ist. @raulkrauthausen und @typitus haben Glasknochen – same story. @fraugehlhaar hat eine Muskelerkrankung, für die das Virus eine genauso tödliche Gefahr ist – so wie für die Lungen des querschnittgelähmten @realjkrolling. Doch das ist alles noch kein Grund zu sterben – finden wir. Ich hoffe du auch. Also halte dich an die Empfehlungen und rette Menschenleben – das von uns, aber auch von vielen anderen #Risikogruppen: Schwangere, Vorerkrankte, Menschen mit anderen chronischen Krankheiten. Du bist auch noch lange keine 60 und in der #Risikogruppe? Gib ihr ein Gesicht. Poste, rede drüber, lass dir helfen. Nutze diesen Hashtag. Join the band. Denn: Gestorben wird später. Viel später. Rock and roll, eure #Risikogruppe.

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Informationsbarrieren überwinden

Aber nicht nur der rein gesundheitliche Aspekt bewegt Menschen mit Behinderung in dieser Krise. Ein ganz zentrales Anliegen in so einer Situation ist die Beschaffung von Informationen. Im Hinblick auf die Barrierefreiheit besteht hier aber zum Teil noch viel Nachholbedarf.

Vor allem Gehörlose haben von Anfang an bemängelt, dass sie die Pressekonferenzen nicht mitverfolgen können, da diese nicht von Gebärdendolmetscherinnen und -dolmetschern übersetzt wurden. Mittlerweile gibt es hier jedoch bereits erste Erfolge zu verzeichnen. An der Spitze des erfolgreichen Protestes stand die Aktivistin Julia Probst, die weiter dafür kämpft, dass alle Pressekonferenzen und Übertragungen von öffentlichen Stellen barrierefrei werden:

Überschaubares Angebot in Leichter Sprache

Das Thema Coronavirus ist kein leichtes, da wir uns hierbei auf Expertinnen und Experten verlassen müssen. Informationen der Virologinnen und Virologen sowie Medizinerinnen und Mediziner sind für Laien häufig unverständlich. Für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung ist es oft noch viel schwerer, sich zu informieren, da es viel zu wenige Angebote in einfacher oder leichter Sprache gibt. Immerhin schaffen einige Organisationen wie die Aktion Mensch hier langsam Abhilfe und fassen Informationen leicht verständlich zusammen. Zur Infoseite Coronavirus der Aktion Mensch

Pflege, Assistenz und Betreuung am Limit

Ein ebenso wichtiger Faktor für Menschen mit Behinderung in der Corona-Krise ist die Betreuung. Viele Menschen sind auf Pflege und Assistenz angewiesen, um ihren Alltag möglichst selbstbestimmt und frei zu gestalten. Sowohl im Bereich der Pflege als auch in der Assistenz drohen große Versorgungslücken.

Einfache Lösungen gibt es hier jedoch nicht und wir müssen abwarten, wie sich die Situation in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt.